Der Mensch kann sich einen absoluten Anfang so wenig vorstellen

Gepostet am

Bischof Oliver Gehringer

Der Mensch kann sich einen absoluten Anfang so wenig vorstellen wie ein absolutes Ende, weder im Raum noch in der Zeit. Immer ist er gedrängt zu fragen: Was war davor? Und was kommt danach? Aus diesem Denken und Sprechen kommt er nicht heraus, weil Raum und Zeit Grundbedingungen seines irdischen Daseins und seines Denkens ist. Aber sie sind offensichtlich immer noch unzureichend, um zu erklären, woher die Welt kommt und wohin sie geht. Die biblische Geschichte versucht gar nicht erst zu erklären, was vor der Schöpfung war. Sie unterläuft die Frage nach dem Davor und Danach, indem sie eine Geschichte erzählt, deren Hauptfigur ein allzeit gegenwärtiger schöpferischer Gott ist. Was soll davor schon gewesen sein und was soll danach schon sein außer Ihm, der war und ist und sein wird? Aber die Zeitformen der Grammatik zeigen einem sogleich wieder Grenzen auf. Ewigkeit und Unendlichkeit sind nicht ihr Metier. Allenfalls lassen sie einem erahnen, dass Gott die Dimension ist, in der Zeit und Raum, Davor, Danach, Dahinter und Darüber aufgehoben sind. Wo aber „Leere“ ist, da ist er als Schöpfer in seinem Element. Aus der kosmischen Leere erschafft er die Welt, aus der inneren Leere des Menschen die Einheit mit ihm, seinem Geschöpf. Seine Schöpfungsordnung und seine Heilsordnung heben sich dabei nicht auf, sondern ergänzen sich wachsen zusammen, und schaffen aus jedem, so offensichtlichem Ende, immer wieder einen neuen Anfang. Wir müssen erst noch lernen zu begreifen, dass das Leben keine Grenzen und kein Ende hat, auch wenn unsere Zeit auf Erden in seiner Dauer beschränkt ist, aber die Dimension Gottes geht darüber hinaus und dorthin hat er uns mitgenommen. Die Welt, die Gott geschaffen und dem Menschen überantwortet hat, ist der Raum, in dem sich die Geschichte Gottes mit den Menschen ereignen kann, aber sie ist nicht das Ende der Geschichte, sondern erst der Anfang. So unmöglich und undenkbar das auch noch im Augenblick klingt, aber in Gott gibt es kein Ende, und für ihn ist nichts unmöglich! (BOG)

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