Der in seinem Glaubensmut wankende Mensch braucht etwas

Gepostet am

Bischof Oliver Gehringer

Der in seinem Glaubensmut wankende Mensch braucht etwas, an dem er sich festhalten kann. Er braucht eine Sicherheit, die ihm zugleich eine Perspektive und auch eine Zukunft eröffnet. Er sucht nach einer Verbindung, die festen Halt gibt, aber nicht bindet, etwas, wo er sich festmachen kann, aber zugleich auch die Freiheit belässt, die er braucht um seine Entscheidungen zu treffen. Das ist nicht erst heute so, sondern kann man schon in der biblischen Geschichte nachlesen. Es ist ein Wechselbad der Gefühle, zwischen brauchen und wollen. Der Autor des Hebräerbriefes legt dafür das überlieferte Glaubensbekenntnis neu aus. Er versucht es zu vertiefen, zu verwurzeln und das Wichtigste in griffigen Sätzen zu kristallisieren. Einer dieser Sätze lautet: „Christus ist der Mittler eines neuen Bundes; sein Tod hat die Erlösung von den im ersten Bund begangenen Übertretungen bewirkt, damit die Berufenen das verheißene ewige Erbe erhalten!“ Auch wenn einem heute diese Formulierungen fremd erscheinen, kann man trotzdem daraus erfassen, dass hier Gottes Heilshandeln in Christus zur Sprache kommt. Gott will einem ein neues Leben eröffnen, eine neue Chance einräumen, eine Perspektive mit Zukunft aufzeigen, und lädt dem, der sich darauf einlassen kann und will dazu ein. Ob und wie sehr es tatsächlich gelungen ist, den Adressaten neuen Glaubensmut zu vermitteln, weiß man nicht. Dass der Mensch heute aber auch solchen Mut zum Glauben dringend braucht, steht außer Frage. Doch es nützt nicht viel, tradierte Glaubenssätze einfach zu wiederholen. Es gilt, ihre Inhalte neu zu bedenken, ihn zu be-greifen und den Weg, auf den sie einem verweisen sollen, wieder neu aufzunehmen, aufzubrechen, und das Wagnis „Glauben“ neu einzugehen. Mit jedem kleinen Schritt, mit jeder Frage, sogar mit jedem Zweifel kommt man Gott näher! Mit jeder ehrlich gemeinten Suche findet man auch einen neuen Zugang, einen Weg der zu ihm führt. Wer sich dafür öffnet, hat darin seine Sicherheit und eine Perspektive für die eigene Zukunft, einen festen Hat und die Freiheit der Entscheidung, eine neue Hoffnung und die Kraft zu lieben, wie man selbst auch geliebt ist. Auch wenn viele Generationen zwischen den Menschen der biblischen Geschichte und den Menschen des Heute liegen, so sehr unterscheiden sie sich, gerade in Glaubensfragen, auch wieder nicht. Und Mut zum Glauben braucht es auch heute, vielleicht sogar, mehr denn je! (BOG)

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