„Ich glaube nur das, was ich auch sehe!“

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Bischof Oliver Gehringer

Diese Aussage spiegelt eine heute ziemlich verbreitete Welt- und Wirklichkeitssicht wieder. Alles muss überprüfbar, nachvollziehbar, messbar und mit dem Auge erfassbar sein, wenn möglich auch mit den Händen greifbar. Das augenscheinlich Nachprüfbare wird als das „Wirkliche“ qualifiziert. Darin richtet man sich dann möglichst gemütlich ein. Mehr, so denken viele, braucht’s eigentlich nicht zum Leben, denn alles, was man nicht prüfen oder nachvollziehen, messen oder be-greifen, ja anfassen kann, das braucht es auch nicht. Oder vielleicht doch? Ganz anders jedenfalls ist die Sicht zur Zeit der biblischen Geschichte. Die augenscheinliche Welt wurde von vielen nur als „schatten- und abbildhaft“, aber nicht als fassbare Wirklichkeit empfunden. Von der himmlischen Welt hingegen nahm man an, sie sei die „wahre, wirkliche und eigentliche“. Man war nur „Gast auf Erden“ und wanderte der ewigen Heimat zu. Dort wollte man hin, dort wollte man zuhause sein und leben! Vielleicht einfach auch deshalb, weil der Alltag für die allermeisten Menschen damals mühsam und beschwerlich, und mit allerlei Sorgen und Nöten gefüllt war, und sie sich eine wesentliche Verbesserung in jeder Hinsicht erhofften. Aber wie konnte man in diese „wahre und wirkliche“ Welt gelangen? Wer würde einem den Weg dorthin zeigen, denn wer einmal schon dort war, der konnte doch nicht mehr zurück? Müsste man nicht alles, was einen belastet, sorgt, ängstigt oder nötigt, was man falsch gemacht hatte, zurücklassen, um so, von allen Ballast befreit, auch wirklich frei für das Himmlische und „Ewige“ zu sein? Wie soll das aber möglich sein und wer erlöst von den Altlasten der irdischen Wanderung? Nach dem Hebräerbrief ist Gottes ewige Heilswelt schon in Zeit und Geschichte Wirklichkeit geworden. Diese neue Welt hat Christus für die Menschen erschlossen, den Himmel geöffnet und den Menschen durch seine Liebestat entschuldet. Im Glauben an ihn wird diese Welt schon jetzt, in der Gegenwart, erfahrbar. Aus der Sicht des Hebräerbriefes sollte man diesen attraktiven Weg ins Leben mit Gott entschlossen gehen, sich von ihm befreien und das Gewissen „rein“ machen lassen. Es gilt aber auch, das eigene Gewissen nicht wieder „unrein“ zu machen, um dadurch nicht vom Weg abzukommen. Eine tägliche Herausforderung, der man sich aber getrost stellen darf, wenn man auf die Hilfe Gottes dabei vertraut! (BOG)

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