Schon in der jungen Kirche war das Klima nicht immer „mild“

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Bischof Oliver Gehringer

Schon in der jungen Kirche war das Klima nicht immer „mild“ und für alle „verträglich“, von „angenehm“ war auch oft nichts zu spüren, und nach der endgültigen Abspaltung vom Judentum sogar sehr „aufgeheizt“. Innergemeindliche Zersplitterung, Lagerbildungen und Parteiungen drohten ebenso. wie gnostisch-philosophische Deutungen des Christentums Konjunktur hatten. Dagegen vorzugehen war damals nicht minder schwierig wie heute. Der Versuch, die Einheit des christlichen Glaubens zu wahren, lässt so manchen auch mal „schweres Geschütz“ auffahren, was die Situation nicht unbedingt entschärft oder milder macht. Die „Frontlinie“ ist klar: Auf der einen Seite sind die Kinder Gottes, auf der anderen Seite die Kinder der Versuchung. Aus der Geschichte des Christentums und der Kirchen weiß man, wie fatal solche Zuschreibungen in späteren Jahrhunderten wirken konnten und auch gewirkt haben. „Von der Versuchung“ zu sein, war gleichgesetzt mit „vom Teufel“ zu sein, und glich zu manchen Zeiten einem Todesurteil. Zu recht wurde und wird kritisiert, dass sich so eine Zuschreibung bzw. „Kampfansage“ nicht mit dem christlichen Glauben, mit dem christlichen Ursprung verträgt. Dennoch, bei aller berechtigten Kritik an den Texten, Schriften und Erzählungen, und ihrer Wirkungsgeschichte in diesem Punkt, darf man aber nicht übersehen, dass sie an ein wichtiges Kriterium für das Christsein erinnert: die christliche Lebenspraxis! Wenn Christen z. B. nur um sich selbst und ihre eigene, oft bürgerlich oder gesellschaftlich geprägte Lebenswelt kreisen, wenn sie sich überheblich gegenüber Menschen verhalten, die nach „kirchlichen Maßstäben“ versagt haben, dann müssen sie sich schon die Frage gefallen lassen, was sie denn vom Christsein überhaupt verstanden haben, und ob sie überhaupt etwas verstanden haben. Die Erinnerung der biblischen Geschichte, vor allem des 1. Johannesbriefes ist also deutlich und aktueller denn je. Sie lautet ganz klar: „An eurer Praxis soll man euch erkennen!“ Das heißt, mit dem bloßen Zur-Kenntnis-Nehmen ist noch nichts getan. Wer einmal Ernst macht und das, was er glaubt, auch tut, der hört immer mehr und versteht immer besser; hier gibt es auch keinen Stillstand. Wer aber Gottes Wort und Gabe ablehnt, wer nicht verstehen, und was er verstanden hat, nicht tun will, der versteht immer weniger. Man versteht den christlichen Glauben nur, indem man ihm nachgeht. Wer nur Zuschauer oder Zuhörer sein will, begreift nicht, den „Zaungäste“ bekommen in der Regel nichts, oder nur wenig vom Wesentlichen mit. Auf die Nachfolge, auf das konkrete Tun, auf die Anwendung und Umsetzung im Leben kommt es an. Ein Bekenntnis alleine reicht nicht aus! (BOG)

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