Die Anliegen der biblischen Geschichte sind heute noch ebenso gültig

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Bischof Oliver Gehringer

Die Anliegen der biblischen Geschichte sind heute noch ebenso gültig wie zum Zeitpunkt ihrer Entstehung, auch wenn sie in das „Heute“ übertragen werden müssen, so haben sie nichts von ihrer Aktualität verloren. In den Briefen des Johannes richtet sich der Verfasser an die Irrlehren seiner Zeit und ist dabei nicht wirklich weit von der Gegenwart der Jetztzeit entfernt. Damals bedrohten sie die „junge“ Kirche, heute beeinflussen und bedrohen sie die ganze Kirche (d.h. die Gemeinschaft der Glaubenden, nicht die Institution!). Es geht um den „rechten“ bzw. den aufrichtigen Glauben an Jesus Christus als Sohn Gottes und wahren Menschen, und die Verwirklichung dieses Glaubens in einem Leben, das von der Liebe, von der Hoffnung und dem Vertrauen bestimmt wird. Man kann auch sagen, der Verfasser der Briefe ist ein „Überzeugungstäter“ im positiven Sinn. Er schreibt nicht für Geld oder im Auftrag einer Regierung, nicht als Propaganda einer Institution, oder als „selbsternannter“ Hüter des Glaubens, sondern als ein glaubender und gläubiger Mensch, der über seine Gotteserfahrung unmöglich schweigen kann. Niemand hat ihn gezwungen, aber seine Freude wird vollkommen, wenn er anderen mitteilen kann, welche Erfahrung er gemacht hat und welche unbeschreibliche Kraft davon ausgeht, die in ihrer nachhaltigen Wirkung alles verändert, wandelt und erneuert. Die unbekümmerte Euphorie erinnert fast ein wenig an Kinder, die ihren Eltern unbedingt erzählen wollen, was sie in Schule oder Kindergarten an Lob und Lernerfolg erfahren haben. Das ist bei Kindern dann keine eitel berechnende Strategie, sondern der spontane Impuls, ein großes Glück teilen zu dürfen. So tritt Johannes als Zeuge für den Glauben auf, der das, was er verkündet, gesehen und gehört, und mit seinen eigenen Händen berührt hat: „das ewige Leben, das beim Vater war und offenbart wurde“ in der Person Jesu. Er wirbt damit in seiner ganz eigenen Weise für die Botschaft von Christus; es drängt ihn, das weiterzugeben, was er selbst empfangen hat: den Glauben, die Freude, die Hoffnung und die Liebe. Diese Freude ist aber nicht ein „fertiger Zustand“; sie ist ebenso wie der Glaube ein immer neues Ereignis, sie ist Gabe und Aufgabe zugleich. Könnten wir doch wie Johannes die Freude an der Offenbarung und Erlösungsbotschaft so ungetrübt in unser tägliches Wirken einfließen lassen, es würde viel in uns selbst und in der Welt verändern. Vielleicht sind wir einfach zu „erwachsen“, zu „aufgeklärt“ oder einfach auch nur „gesättigt“, wenn es um den Glauben geht. Und dann wird Kirche schnell langweilig, ihre Freudenbotschaft höchst unvollkommen, und die Ereignisse der Heiligen Nacht geraten schnell in Vergessenheit, wenn sie vom Alltag überrollt werden. Die Freude an der Menschwerdung Gottes in Jesus darf aber nicht auf einen Abend reduziert werden, sondern soll das ganze Leben anhalten. Es liegt auch an uns, wie glaubwürdig Kirche in Zukunft sein wird! (BOG)

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