Der Mensch lebt in und mit einer Welt

Gepostet am

Bischof Oliver Gehringer

Der Mensch lebt in und mit einer Welt, in der die gegenwärtige Situation bedrückend wirkt, die sozialen und religiösen Verhältnisse unerfreulich erscheinen, die Gesellschaft sich in einem rasanten Tempo von ihrer Mitmenschlichkeit verabschiedet, und auch zusehends die noch vorhandene Aussicht auf ein friedliches Miteinander sinkt. Die Missstände in allen menschlichen Bereichen sind nicht mehr zu übersehen, die Missstimmung untereinander schlägt Wellen, das Fehlverhalten einzelner hat Auswirkungen auf die ganze Menschheit. Es ist nicht wirklich schön, was der Mensch in seinem Egoismus und Unverständnis für die Bedürfnisse anderer, mit dieser Welt, dem einstigen Paradies auf Erden, angestellt, und in ihr aufgeführt hat. Aus dieser Sicht betrachtet, möchte man sich fast schon eine „zweite Sintflut“ herbeiwünschen,um all den geistigen und menschlichen Müll und Unrat ein für alle Mal von dieser Welt wegzuspülen.Wäre da nicht der Glaube, die Hoffnung und die Liebe, die auch in diese betrübliche Aussicht immer wieder aufs Neue den Mensch ansprechen und ihm sagen: Das Heil ist nahe. Gott ist „gerecht“: er hilft denen, die seiner Weisung folgen, den Mitmenschen gegenüber gerecht sind und sich an seine Gebote und halten. Die biblische Geschichte, bzw. die Propheten des alten Bundes, weiten noch zusätzlich den Blick, denn allen Völkern wird eine bessere Zukunft zugesagt, und der Tempel wird als Haus des Gebetes offen stehen. Es wird wird bzw. ist nicht mehr die Abstammung von Abraham entscheidend; sondern aus allen Völkern ruft Gott sein neues Volk zusammen. Fremdheit ist für Gott kein Thema, er wendet sich jedem Menschen zu und will von und in jedem Menschen erkannt werden. Das Christentum hat vom Judentum die universelle Ausrichtung geerbt. Wer als Fremder kommt, soll nicht fremd bleiben, sondern er soll ganz eingeschlossen werden in eine weltweite Solidarität. Ein Wort für die Fremden, mitten im Advent, das an die traurige Wirklichkeit erinnert: Fremde sind nicht willkommen, gelten als Störenfriede, werden als Gefahr für den eigenen Wohlstand verpönt und erfahren auch immer wieder Unmenschlichkeit, Unchristlichkeit und Gewalt. Wenn wir aber selbst in unserem Glauben zu Fremden werden, wenn wir Gottes Wort und Verheißung nicht mehr kennen, wenn wir die Hoffnung auf Veränderung aufgeben und die Liebe verraten, dann droht uns aus unserem eigenen Versagen eine unheilvolle Zukunft, die Gott so nicht will. Die gegenwärtige Situation mag vielleicht bedrückend wirken, aber solange noch jener Funke Glaube, Hoffnung und Liebe in uns glimmt, den der Stern aus Bethlehem bist heute in den Herzen der Menschen aufrecht erhält, und der selbst in den düsteren Zeiten immer noch Lichtmomente schenkt, ist noch nichts endgültig und auch noch nichts verloren. Wenn wir zu adventlichen Menschen werden, dann ist das Heil uns (schon) nahe – näher als wir es erahnen oder uns vorstellen können! (BOG)

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