Der Mensch tendiert heute eher dazu

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Bischof Oliver Gehringer

Der Mensch tendiert heute eher dazu, die biblischen Texte als Belastung für das eigene Gottesbild zu verstehen, weil er in vielen Fällen den Inhalt nicht erfassen oder begreifen kann. Für manchen darf nur das in der Heiligen Schrift noch relevant sein, was sich mit den je eigenen Werten und Idealen der Gegenwart vereinbaren lässt, und, vor allem mit dem, was er anderen damit sagen will. Doch wie stünden die Menschen heute da, wenn zeitgeist-beseelte Christen im 19. Jahrhundert oder gar in der Nazizeit alle Bibelstellen getilgt hätten, die sie damals nicht verstanden haben, oder verstehen wollten. Das oft als überaus grausam verschriene Alte Testament beschreibt bei Jesaja eine zutiefst humane Weltrevolution, der man auch heute noch so einiges abgewinnen kann: Der Stock des Richters ist sein gerechtes Wort, die Strafe für den Gewalttäter besteht in einem Hauchen des Ewigen. Da ist vom Ausrotten mit dem scharfen Schwert, das in den Büchern Mose so oft Erwähnung fand, keine Rede mehr. So wird die Natur zur Übernatur, wenn Säugling und Natter miteinander spielen und die Geschöpfe sich aus der Nahrungskette befreien, sodass die alten Feinde Lamm und Wolf, Kuh und Bär, zu wahrem Frieden finden. Zwar ist das alles oft nur Symbolisch zu verstehen, aber die Poesie der Schrift hat auch ihren Reiz, vor allem geht es um den wahren, echten und wirklichen Frieden unter allen Geschöpfen. Die Krippe, die für das Weihnachtsfest vorbereitet wird, sollte diese Botschaft ausstrahlen. Wer jetzt noch daran bastelt, mag einmal bedenken, ob neben Ochs und Esel, Schafen und Kamelen nicht auch Bär und Kuh, Wolf und Lamm, Löwe und Schlange dazugehören. Es würde vielleicht das klassische Bild beeinträchtigen, aber es wäre ein Bekenntnis zur Schöpfung, die von Gottes Erlösungsplan komplett erfasst ist: Alles soll erneuert werden im Frieden des Herrn. Halten wir lieber die Belästigung durch so manchen unbequemen Vers des Gotteswortes aus und bewahren so den Reichtum des Offenbarungsschatzes. Gott ist lebendig genug, auch heute noch aus den bedrückend rätselhaften Versen in befreiender Weise sein Volk anzusprechen. Der Advent bietet dazu die Möglichkeit, sich auch sehr deutlich und nachhaltig ansprechen zu lassen! (BOG)

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