Treu im Glauben ist der Mensch dann

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Bischof Oliver Gehringer

Treu im Glauben ist der Mensch dann, wenn er an seinem Platz in der Welt die Sorge um Gottes Liebe, Güte und Barmherzigkeit, die in allen Dingen sichtbar werden soll, über den eigenen unmittelbaren oder augenblicklichen Nutzen zu stellen versucht. Wer, so von Gott angezogen, dahin gelangt, diesem Aufschwung und diesem Überschreiten immer größere Beständigkeit, Eindringlichkeit und Wirklichkeit zu geben, der geht auch nicht verloren. Auf den hat die spannungsgeladene Atmosphäre einer glaubensmüden und gottfernen Welt, in der die Gesellschaft sich das Recht herausnimmt, über andere hinweg zu bestimmen, was und woran man glauben „darf“ und soll, keine Auswirkungen, selbst dann nicht, wenn dies mit politischem Nachdruck verbunden ist. Sie, die Menschen der ungebrochenen Treue, verstehen das neue Lied der himmlischen Liturgie, sie verstehen das Geheimnis Gottes und den Sinn der Weltgeschichte, denn sie haben sich den Glauben, die Hoffnung und die Liebe bewahrt, dem Druck der anderen standgehalten, sich nicht der Macht gebeugt, und sind gegen den Strom geschwommen, weil sie ein ganz anderes, höheres Ziel vor Augen haben, ein Ziel, das weit über das Jetzt hinausgeht und erlösende Vollendung heißt. So verstanden, bemisst sich der Glaube des Menschen, nach dem Grad der Anziehung, die ihn zum göttlichen Mittelpunkt, zum Zentrum des Lebens, zur Quelle allen Seins hinführt, oder danach, wie nahe er diesem Mittelpunkt steht und wie sehr die gewonnen Erkenntnis im eigenen Leben umgesetzt werden kann. Solche Menschen zählen – jetzt schon – zur Schar aller Erlösten, denn ihnen wurde eine Erfahrung zuteil, von der nur diejenigen auch wirklich singen können, die sie haben. Wir haben sie noch nicht, weil wir noch nicht „von der Erde weggenommen“ sind, das heißt, noch zu sehr am Irdischen festhalten, uns noch zu sehr darum Sorgen und Gedanken machen, was andere von uns denken oder halten, weil wir uns noch viel zu sehr von dem abhängig machen, was andere sagen oder tun, nur um nicht anzuecken oder aufzufallen. Noch fehlt uns der klare Blick in den Himmel, noch hat die Erdverbundenheit eine höhere Anziehungskraft, als die Gottverbundenheit. Wir sind bestenfalls in den Anfängen der Glaubensnachfolge, und das nicht ohne Makel. Uns erwartet noch manche Überraschung, aber auch das Ziel unserer Treue. Vom Ende her fällt Licht auf die dunklen früheren Kapitel und Stunden unserer eigenen Geschichte. Wir sind noch auf dem Weg – folgen wir weiter dem Licht, um die Dunkelheit endgültig hinter uns zu lassen! (BOG)

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