Von der Gastfreundschaft im alten Orient

Gepostet am

Bischof Oliver Gehringer

Von der Gastfreundschaft im alten Orient, so wie die biblische Geschichte es lehrt und berichtet, und so, wie es teilweise auch heute noch gelebt und praktiziert wird, kann man in den westlich-orientierten Ländern immer noch lernen. Gastfreundschaft war damals und ist es auch heute noch „Männersache“, aber zugleich so viel mehr als „Männerwirtschaft“ oder als „Männerfreundschaft“ – sie ist offene und ehrliche Freundschaft für den Fremden. Die Höflichkeit, die man dem Gast, wer immer es auch ist, erweist, ist weder Rollenspiel noch Selbstzweck, sondern verdankt sich der Erwartung, dabei Gott begegnen zu können. Eine Haltung, die früher in christlichen Haushalten ebenso gepflegt wurde, aber durch die Säkularisierung immer mehr in Vergessenheit geraten ist. Heute ist der Mensch, sind Christen, sicher auch durch Erfahrungswerte und beeinflusst von reisserrischen Berichten der Medien, in ihrer Natur Fremden gegenüber ängstlich und misstrauisch geworden, und lehnen alles Fremde zumeist ab. Dabei sollte gerade der Gläubige in dem unbekannten Besucher einen möglichen Gottesboten erwarten. Denn nicht im Gewöhnlichen und im Ordentlichen, nicht im Bekannten und Vertrauten offenbart uns Gott neue Botschaften, sondern im Unerwarteten. Gott ist niemals „gewöhnlich“ und an keine menschliche Ordnung gebunden, er lässt sich nicht in eine Norm pressen, und kennen wird man ihn nie wirklich ganz. Gott selbst ist rätselhaft, er sprengt jede Vorstellungskraft, übersteigt alles Denkbare, und ist immer ganz anders, als erwartet. Er übertrifft jede Hoffnung und auch alle Hoffnungslosigkeit, und wenn man einem Fremden Gastfreundschaft erweist, öffnet man sich für das Unerwartete. So kann man mit einer Gottesbegegnung rechnen, die man sich selbst nicht verschaffen könnte. Gottes Botschaft ist immer eine unverhofft aber auch immer eine gute Nachricht, sie ist Hoffnung und Verheißung für alle. Wir sollten auch mehr Mut haben, mehr Vertrauen in fremde Besucher zu setzen. Gottes Geist ist nun einmal immer in Bewegung und er will begegnen. Es würde uns allen gut tun, wenn wir ab und zu unverhofft in Bewegung gebracht werden, und in den Begegnungen neue Freundschaft mit Gott und den Fremden schließen würden! (BOG)

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