Mach dich bereit, deinem Gott gegenüberzutreten!

Gepostet am

Bischof Oliver Gehringer

Dieser Satz klingt überaus bedrohlich, wurde er doch meistens mit dem Nahen Ende eines Menschen in Verbindung gebracht, und sollte beim Hörenden Angst und Schrecken auslösen, zumindest kennt man das aus der biblischen Geschichte. Eine Drohgebärde, ausgesprochen von den Propheten, die das immer wieder abfallende Volk des ersten Bundes, im Auftrag Gottes, wieder zur Vernunft bringen, zurück auf den richtigen Weg führen und zur Umkehr bewegen sollte. Meistens hat die „Holzhammer-Methode“ auch gewirkt, sie hat den Menschen den Ernst der Lage sichtbar gemacht, und sie ließen von ihrem üblen Treiben ab. Leider hat das aber auch noch etwas anderes in den Menschen ausgelöst. Nachdem die „Drohung“ nicht ausgeführt worden ist, weil Gott im Letzten dann doch gnädig und barmherzig war, Mitleid mit den Menschen hatte und ihnen verzieh, es ihm nie um das Richten und Verurteilen, sondern immer um das Herz der Menschen, das er bewegen will – hin zu ihm und zueinander – ging, haben sie aufgehört, auf ihre Propheten zu hören. Sie haben das Geschenk der Güte und Liebe Gottes nicht erkannt, sondern es ihm als Schwäche ausgelegt, mit der man spielen kann. Gott hat den Menschen die Angst vor ihm genommen, und stattdessen sein liebevolles und menschenfreundliches Wesen gezeigt und in Christus offenbart, aber statt Dankbarkeit hat er nur Hohn geerntet. Und das ist bei vielen auch heute noch so. Es ist schon gut, dass Menschen sich vor Gott nicht mehr fürchten müssen, und ihm gegenüber zu treten heute eher als bewusste Begegnung mit ihm verstanden wird, andererseits hat es auch den Nachteil, dass sie ihn nicht mehr „ernst“ nehmen, und meinen, tun und lassen zu können, was sie wollen, weil der „gute Gott“ eh nichts dagegen macht. Dass Gott aber immer stiller wird, zwar hört, aber nicht immer Antwort gibt, er auch nur mehr dort wirkt, wo Menschen es zulassen wollen und können, und bei denen, die ihm vertrauen, alles zu einer guten Wende führt, wird dabei gerne übersehen. Gott liebt seine Geschöpfe, aber er zwingt niemanden seine Liebe auf, und die, die ihn nicht wollen, lässt er mal eine Zeit alleine herum werken, bis sie von selbst drauf kommen, was sie ausgeschlagen haben. Vielleicht braucht es heute wieder mehr „Propheten“, bzw. muss den Christenmenschen wieder bewusst werden, dass sie in der Taufe alle zu Propheten gesalbt worden sind; gesalbt, das Wort Gottes zu hören und zu verkünden – in Wort und Tat. In die Tiefe dieser Würde, die einem geschenkt ist, kann man gar nicht genug eintauchen. (BOG)

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s