Das Los ist gefallen

Gepostet am

Bischof Oliver Gehringer

Das Los ist gefallen, ein dreizehnter Apostel wurde gewählt und zu den elf dazugerechnet, damit es wieder zwölf seien. Die biblische Geschichte braucht zwölf Zeugen, Apostel und Bekenner, denn Israel, das Volk Gottes, bestand aus zwölf Stämmen, und verkörpert die ganze Menschheit. Deshalb ist es wichtig, nach dem Verrat des Einen, einen Anderen in den Kreis zu wählen, der seinen Platz auszufüllen hat, damit die Geschichte weiter gehen und sich auch vollenden kann. Verrat, das ist ein erschreckendes Wort, mit schrecklichem Beigeschmack und noch schrecklicherem Ausgang. Es ist weit mehr als „nur“ eine herbe Enttäuschung, und mehr als ein Bruch der Treue. Verrat ist eine tiefliegende, schmerzliche und auch tödliche Wunde, ein Vertrauensbruch mit schwerwiegenden Folgen, ein nicht wieder gutzumachender Schaden, für alle Beteiligten. Niemand ist davor gefeit, verraten und hintergangen zu werden, und jeder Mensch trägt die Möglichkeit des Verrats in sich. Das darf man aber weder übersehen und auch nicht verschweigen, denn es gehört zur menschlichen Geschichte, zur charakterlichen Entwicklung. Nur wenn man es ausspricht und benennt, hat man die Chance, damit fertig zu werden, oder damit umgehen zu lernen. Aber, auch wenn die Wunden verheilen, Narben bleiben bestehen und erinnern immer wieder daran, wie zerstörerisch die Entscheidung eines Einzelnen, sich auf alle anderen nachhaltig auswirkt. Die verbleibenden elf verschweigen nichts, und rufen es sich bewusst in Erinnerung, bevor sie sich dann der Wahl zuwenden, und die maßgeblichen Kriterien festlegen, die der zu Wählende für seine Aufgabe brauch und erfüllen muss. Auf alle Fälle muss es einer sein, der den Weg Jesu mitgegangen ist, und der eine Erfahrung mit dem Auferstandenen gemacht hat, die er auch bezeugen kann und will. Doch noch wichtiger, als alle Kriterien miteinander, ist das Herz des Kandidaten, denn man kann eine Aufgabe nur dann mit Leben erfüllen, wenn sie auch aus dem Herzen kommt und darin verankert ist. Gott kennt die Herzen der Menschen, und deshalb vertrauen die Elf auf das Los, und überlassen Gott die Wahl und die Entscheidung. Er hat entschieden und eine gute Wahl getroffen. Dieses Vertrauen müssen wir uns erst wieder erarbeiten, und immer neu unsere Wege finden, es zu wagen, und in die Waagschale zu werfen. Ein Verrat kann schon so einiges verändern, aber er kann nicht verhindern, sich vertrauensvoll Gott zu überlassen! (BOG)

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