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Bischof Oliver Gehringer

Wohnst du noch, oder lebst du schon? Eine Frage, die einem die Werbung vor einiger Zeit gestellt hat, und Menschen zum Nachdenken anregen sollte, ob ihr aktueller Wohnraum auch Lebensraum ist, oder einfach nur Aufenthaltsraum, ein Ort, an dem man die karge Zeit zwischen Arbeit und Vergnügen verbringt aber nicht verlebt. Man kennt das ja, es gibt Orte, an denen fühlt man sich zuhause, weil sie gemütlich, lebendig, heimelig, einladend, warm sind, und Persönlichkeit haben, weil man dort das Leben spürt und das Leben sieht. Und es gibt Orte, die sind einfach nur Wohnstätte, denen fehlt das gewisse Etwas, das Persönliche, das Lebendige, die Wärme, der Wohlfühlcharakter. Dabei kommt es nicht auf die Größe an, oder die Ausstattung, denn es gibt Luxusappartements mit teurer Marken Möbellage, die weit weniger Wärme ausstrahlen und zum Verweilen einladen, als einfache Zelte, sondern darauf, ob darin gelebt oder „nur“ gewohnt wird. Wenn es bei menschlichen Behausungen schon darauf ankommt, wie jemand lebt um zu wissen, wer jemand ist, wie sehr ist es dann wohl wichtig, wie oder wo Gott „wohnt“. Es gibt kleine, ein wenig schäbig anmutende Waldkapellen, die mehr Wärme und Geborgenheit ausstrahlen, und in denen man das Gefühl hat, hier ist Gott mehr zugegen, als riesige, mit Marmor und Gold gefüllte und mit teuren Gemälde ausgestattete Kathedralen, die eher zur Flucht als zum Verweilen anregen, weil sie kalt und unpersönlich wirken, und man Gott darin eher vermisst. Nicht in toten Stein gehauen wird Gott verewigt sein, sondern in einer lebendigen Nachfolgeschaft, in Menschen die den Glauben leben, durch ihr Leben bezeugen und weiter geben. Das ist der Ort, an dem Gott wohnt, im ehrlichen, aufrichtigen, liebenden, offenen und wärmenden Herzen des Menschen, das glaubwürdig und authentisch ist. Man kann Gott kein „Haus“ bauen, denn er lässt sich nicht einsperren, man kann ihm nur Lebensräume schaffen, Raum im Leben öffnen, einen Ort im Herzen bereiten, wo er einziehen und „Wohnung“ nehmen will. Das macht und hält den Glauben lebendig, lässt ihn leben, und Gott nicht als „imaginäres Wesen“, sondern als lebender Gott des Lebens erfahren. Die eingangs gestellte Frage lässt sich auch umformulieren: Lebt Gott schon in dir, oder wohnst du noch in seinem Haus? Die Antwort muss ein jeder für sich selbst finden und geben! (BOG)

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