Woran und an was macht der Mensch seine Gottesvorstellungen fest?

Gepostet am

Bischof Oliver Gehringer

Woran und an was macht der Mensch seine Gottesvorstellungen fest? Gottes gedachte und geglaubte Gegenwart, meist in materiellen Heiligtümern, die entweiht, zerstört oder geraubt werden können, ist kein Garant für ein gelungenes oder gelingendes Leben. Wer seinen Glauben nur an heilige oder heilswirksame Gegenstände hängt und darauf aufbaut, wird ebenso schnell seinen Glauben verlieren, wie man solche „Dinge“ verlieren kann. Der Kult, der damit betrieben wird, hat mit einem gelebten und lebendigen Glauben nichts zu tun. Heilige Lanzen, Nägel, der Heilige Gral, und viele andere, fast schon „unheilige“ Dinge und Gegenstände, mögen vielleicht dem Glauben dienen und unterstützen, können aber nie Grundlage und Basis dafür sein. Zerstörte Kirchen und Kapellen, entweihte Bilder, und geraubte Reliquien sind sicherlich tragisch, aber können einem echten und authentischen Glauben an einen lebendigen Gott nicht schaden. Gott ist omnipräsent, das heißt er ist in allem und jedem gegenwärtig, auch wenn seine Präsenz symbolisch an Gebäude oder an anderes verortet wird. Wer sich an „toten“ Dingen orientiert und festlegt, der hat keinen lebendigen Glauben. Also bleibt die Frage bestehen: Wie stellt der Mensch sich Gott vor, was erhofft er sich von ihm und welche Handlungen zieht dies nach sich? Und darüber hinaus: Wenn geglaubte, materielle Heiligtümer geraubt, entweiht oder zerstört werden, was bleibt dann noch? Gott ist keine „Person“ im eigentlichen Sinn, nicht der alte Mann mit weißem Bart, der im Himmel auf und ab geht, und ab und an durch die Wolken hindurch auf die Menschen sieht. Das sind nur Bilder oder Metaphern, die etwas verständlich und begreifbar machen sollen, was nicht wirklich verstanden oder begriffen werden kann. Er ist immer uns überall zugegen, und „wohnt“ nicht nur in Häusern von Menschenhand. Er kann auch nicht „geraubt, zerstört oder entweiht“ werden, von seinem „Thron“ gestoßen, oder vertrieben werden. Gott ist auch nicht tot, wie manche Religionskritiker meinen, verlässt einem auch nicht, oder wendet von jemanden ab. Nur der Mensch bringt es fertig, sich von ihm zu trennen, sich von ihm abzuwenden, ihn aus seinem Leben auszuklammern, oder durch sein schuldhaftes Verhalten in seinem Namen, in Frage zu stellen. Gott ist! Das ist das Einzige, woran wir unsere Gottesvorstellung festmachen sollten, und das kann auch nicht zerstört, geraubt oder entweiht werden! (BOG)

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