Wie bin ich bloß in diese Situation geraten?

Gepostet am

Bischof Oliver Gehringer

„Wie bin ich bloß in diese Situation geraten?“ und „Wie komme ich da wieder raus?“ Das sind klassische Fragen, die man sich entweder selber stellt, die einem schon mal gestellt wurden, oder die man einem anderen in seiner misslichen Lage schon gestellt hat. Wer aber die erste Frage ehrlich, ohne Untertreibung, ohne Beschönigung und ohne etwas auszulassen beantwortet, dem offenbaren sich Chancen, Wege und Möglichkeiten, auch auf die zweite Frage eine passende Antwort zu finden. Selbsterkenntnis, so sagt man, ist auch der erste Schritt zur Besserung, zur Veränderung. Und es ist niemals zu spät, noch umzukehren, wenn man seine Situation erkannt und sein eigenes (Fehl)Verhalten dabei durchschaut hat, wenn man seine Fehler und Schwächen bekennt und auch bereit dazu ist, gegenzusteuern, daraus zu lernen und eine Umkehr zu wagen. Manche ganz banale Niederlage im Alltag hat einem oft schon mehr geholfen und weiter gebracht, als all die großen Erfolge und Triumphe, die man verzeichnen durfte. Schlechte Noten in der Schule, eine zerbrochene Freundschaft, ein Scheitern bei einem Projekt oder Kritik am fehlenden Engagement, zeigen einem Grenzen auf, und lassen einem ehrlich mit und zu sich sich selber werden. Solche Enttäuschungen, und seien sie noch so unangenehm oder peinlich, nehmen einem die Täuschung der Selbstüberschätzung weg, lassen einem das eigene Verhalten in einem anderen Licht und aus einem anderen Blickwinkel betrachten, und helfen auch dabei, ein „anderer“, ein „neuer“ Mensch zu werden. Zum christlichen Leben sollte also auch die Kunst des Verlierens gehören. Schließlich war Christi Passion ja auch kein Triumphzug im klassischen Sinne, und dennoch hat er die Welt nachhaltig positiv verändert, und veranlasst auch heute noch, fast 2000 Jahre danach, Menschen in seine Fußstapfen zu treten, seinen Spuren zu folgen, und in die Nachfolge zu treten. (BOG)

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