Gott, der uns zu einem „radikalen“ glauben …

Gepostet am

Bischof Oliver Gehringer

Gott, der uns zu einem „radikalen“ glauben, hoffen, vertrauen und leben aus der Liebe auffordert, womit aber nicht gemeint ist, als selbstgerechter „Wüterich“ gegen alle anderen aufzutreten, die anders sind, anders denken, anders glauben, anders lieben, denn seine Radikalität heißt die leise, aber dringliche Frage an uns selbst, aus welcher Wurzel (lat. radix) wir leben wollen, segne uns, und lasse uns eine glaubend liebende Antwort finden.

Er mache uns bewusst, dass jede Form des Extremen, Radikalen und Fanatischen, ob nun im Glauben oder im Leben, in Politik, Religion, Wirtschaft, in Kunst oder Kultur, nie etwas Gutes hervorbringt, weil es meist alles andere, was dem eigenen Bild oder der eigenen Vorstellung davon nicht entspricht, ablehnt, ausgrenzt, verurteilt, Hass sät, oder sogar bekämpft.

Er lasse uns erkennen, dass christliche Radikalität, nicht bedeutet, sich in die gleiche Reihe der Fanatiker, Eiferer und Extremisten einzureihen, die sich als „wahre“ bezeichnen, sondern zu jenen dazuzurechnen, die versuchen dem Beispiel Jesu und der Apostel zu folgen, indem sie einander mit Verständnis, Offenheit, Toleranz, Freiheit und Liebe begegnen, und einander als Geschwister annehmen.

Er lasse uns begreifen, dass Selbstgerechtigkeit und Selbstgefälligkeit niemals menschlich und erst recht nicht christlich ist, und die Bezeichnungen „wahrer Christ“, „wahrer Katholik“ und „wahrer Gläubiger“ nur Synonyme sind für Menschen, die den Sinn und den Wert des Glaubens nicht erkennen, missverstehen (wollen), fehlinterpretieren, und das Wesentliche, die Liebe nämlich, dabei vergessen, die er uns in seiner Menschwerdung offenbart hat.

Er mache uns bereit, uns zum Leben befreien zu lassen, die Liebe zu leben, den Glauben in seiner grundsätzlichen Bedeutung zu begreifen, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden, in der ehrlichen Zuwendung und Hinwendung zum Nächsten unserem Auftrag gerecht zu werden, und so dem Ruf der Nachfolge nachzugehen.

Er segne uns und alle, die uns begegnen; stärke uns und alle, die vor schweren Aufgaben oder Entscheidungen stehen, begleite uns und wende sich allen zu, die auf der Suche sind und Orientierung brauchen.

Er segne uns, mache uns wach, damit wir seinen Ruf nicht überhören, öffne unsere Augen, damit wir seine Gegenwart nicht übersehen, und öffne unser Herz, damit wir uns vor der Liebe nicht verschließen.

Er segne uns, rüttle uns auf, wenn unser Glaube träge wird, ermutige uns, wenn unsere Hoffnung sinkt, und entzünde uns mit der Flamme seiner Liebe neu, wenn unsere Liebe zu erlöschen droht, damit wir selbst zum Segen werden!

Allen Freunden, einen gesegneten Mittwoch der einunddreißigsten Woche im Jahreskreis, am Gedenktag des Heiligen Karl Borromäus!

+Bischof Oliver Gehringer

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s