Börsen werden China-Sorgen nicht los

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Quelle: Der Standard

Die europäischen Aktienmärkte begeben sich nach dem Ausverkauf am Dienstag auf Erholungskurs, Börsianer zweifeln dass sie von Dauer sein wird

Schanghai/Tokio – Die Angst vor einer ausgeprägten Wachstumsschwäche Chinas steckt den Anlegern rund um den Globus weiter tief in den Knochen. Zwar begaben sich die europäischen Aktienmärkte nach dem Ausverkauf am Dienstag auf Erholungskurs, doch Börsianer bezweifelten, dass dieser von Dauer sein wird. „Die Kursturbulenzen haben selbst hartgesottenen Händlern zugesetzt und es ist vermutlich noch nicht vorbei,“ sagte Frederic Neumann, Analyst bei HSBC.

Wie groß die Sorgen um die Verfassung der chinesischen Wirtschaft sind, zeigten abermals die Börsen im Reich der Mitte: Der Shanghai-Composite rauschte erneut um 7,6 Prozent in die Tiefe, seit Anfang August kommt er auf ein Minus von fast 20 Prozent. Auch an anderen Handelsplätzen in Asien, etwa in Tokio, ging die Talfahrt weiter. Chinas Notenbank stemmt sich indes mit Zinssenkungen gegen die Abkühlung der Wirtschaft. Zur Ankurbelung der Konjunktur senkten die Währungshüter in Peking am Dienstag den Zinssatz für einjährige Kredite zum 26. August um 25 Punkte auf 4,6 Prozent.

DAX und ATX auf Erholungskurs

Am deutschen Aktienmarkt waren nach dem 4,7-prozentigen Kursrutsch vom Vortag dagegen Schnäppchenjäger unterwegs. Sie nutzten die billigeren Kurse zum Wiedereinstieg, sagt Andreas Paciorek von CMC Markets. Der Leitindex Dax legte zeitweise 3,4 Prozent auf 9973 Zähler zu – unterstützt durch einen überraschenden Anstieg des Ifo-Index im August. Das wichtige Barometer für das Geschäftsklima kletterte von 108,0 Zählern im Vormonat auf 108,3 Punkte. Der EuroStoxx50 gewann 2,8 Prozent. Auch der wieder etwas schwächere Euro half den Börsen auf die Sprünge. Die Gemeinschaftswährung fiel bis auf 1,1526 Dollar, nachdem sie am Montag zeitweise auf einem Sieben-Monats-Hoch von 1,1715 Dollar notiert hatte. Fällt der Euro-Kurs, macht dies europäische Waren im Ausland billiger. Nach fünf Verlusttagen in Folge befindet sich auch der heimische Leitindex ATX auf Erholungskurs.

Auch die Wall Street schaltet in den Erholungsmodus. Nach dem schlechtesten Tag seit vier Jahren stiegen die wichtigsten Indizes am Dienstag deutlich. Dies erklärten Marktteilnehmer auch mit den Zinssenkungen in China.

„Um die Investoren zu beruhigen, braucht es aber positiver Wirtschaftsdaten aus China“, sagte Xavier Smith vom Vermögensverwalter Centre Asset Management. Nur so könne aus der jetzigen Erholung eine längere Rally werden. Seit Wochen stehen die Börsen rund um den Globus schon unter Druck, weil befürchtet wird, dass es in China wirtschaftlich viel schlechter läuft als gedacht. Das hätte auch Folgen für die Weltwirtschaft.

Der Dow-Jones-Index für die Standardwerte stieg um knapp zwei Prozent auf 16.196 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500 kletterte um 2,2 Prozent auf 1934 Zähler. Die Technologiebörse Nasdaq stand bei 4660 Punkten, ein Plus von rund drei Prozent.

Experten: Notwendige Korrektur

Am Vortag hatten die Kurse in China wegen Sorgen über eine weitere Verlangsamung der zweitgrößten Volkswirtschaft und enttäuschter Hoffnungen auf eine Lockerung der Geldpolitik kräftig um acht Prozent nachgegeben. Die mehr als ein Jahr lang in die Höhe getriebenen chinesischen Märkte erleben trotz massiver staatlicher Hilfen schon seit Mitte Juni kräftige Abschläge, was Experten angesichts schlechter Wirtschaftsdaten als notwendige Korrektur ansehen.

Nach einer rasanten Berg-und-Tal-Fahrt hat auch die Börse in Tokio am Dienstag erneut massive Verluste hinnehmen müssen. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte ging mit einem satten Abschlag von 733,98 Punkten oder 3,96 Prozent bei 17.806,70 Punkten aus dem Handel. Das ist der tiefste Stand seit einem halben Jahr. (APA/Reuters, 25.8.2015)

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